Yogaga: Zu früh.

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Von Yogini.– Ich gehöre nicht zu jenen wahnwitzigen Zeitgenossen, die glauben, dass Morgenstund‘ Gold im Mund hat. Und es soll auch Vögel geben, die am Nachmittag Würmer erwischen. In einem Yoga-Büchlein habe ich den Fachbegriff „Ambrosische Stunden“ entdeckt- leider nur etwas für Artgenossen, die sich gern als “Early Birds” bezeichnen.

*** Dieser Text wurde nicht in den Ambrosischen Stunden geschrieben ***

Die einen vermessen die Welt, die anderen die Fische und ich, was mach‘ ich? Ich werde mich demnächst aufmachen, um die Sonnenstrahlen zu vermessen. Ich will es nämlich genau wissen. Wenn die Sonnenstrahlen morgens die Erde noch nicht berühren (haben Sie jemals darüber nachgedacht? Ich auch nicht), sondern 60 Grad an ihr vorbeigehen, entsteht eine einzigartige Stimmung. Das sind jene Stunden zwischen 3.30 Uhr und 6 Uhr, in denen der Mensch in fast allen Religionen zum Beten aufgefordert wird. Weil er dann allein ist mit sich, seinem Gott- und den noch nicht angekommen morgendlichen Sonnenstrahlen. Eine schöne, beruhigende Idee. Und natürlich haben auch die Erfinder des Yoga, die Inder, diese Tageszeit für ihre Zwecke auserkoren. Zum Meditieren, In-Sich-Gehen- und einer der Klassiker der Asanas (Yoga-Übungen) heißt nicht umsonst „Morgengruß“. Man kann ihn auch außerhalb der Ambrosischen Stunden ausführen. Aus meiner Sicht heißen die Stunden früh am Tage nicht umsonst Morgengrauen. Morgen=Grauen. Natürlich nicht immer und überall, frühe Sommermorgen haben ihren Zauber, das späte, frühe Heimkehren nach einer tollen Nacht ebenso (unter anderem deshalb, weil man sicher sein kann, dass man sich gleich hinlegen kann).

Zum Glück hab‘ ich mich in die Sache vertieft und so herausgefunden, dass eine wirklich vernünftige Idee dahintersteckt: Auch Yogis wissen natürlich, dass es verdammt hart ist, sein weiches, kuscheliges Bettchen um diese Zeit zu verlassen. Ihre Theorie: Wer das langfristig durchhält, der wird auch Unglück überwinden- und den Tod nicht mehr fürchten.  Noch eine gute Nachricht. Die Ambrosischen Stunden gibt es gleich zweimal am Tag: Einmal die Zeit der Dämmerung vor dem Sonnenaufgang (Amrit vela) und noch  einmal die nach Sonnenuntergang (Sundhiaa vela). Sundhiaa Vela ist da ganz klar mein Favorit: Es ist jene zauberhafte Zeit, wenn die Sonne schon untergegangen, es aber noch nicht ganz dunkel ist. Jetzt fällt es mir wieder ein: Es ist die Cocktailstunde! – Gestrichen. Denn wir Ambrosier machen da ab sofort natürlich Yoga.  

 



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