Fußball-WM: Kicken & Sex – Eine Glosse.

Von Silvia Meixner. – Während der WM sind Männer im Ausnahmezustand. Fußballfans sind dermaßen auf das runde Leder fixiert, dass sie sogar auf Sex vergessen. Je nach Statistik denken Männer bekanntermaßen zwischen 10 und 100 Mal in der Minute an Sex. Also praktisch fast immer (außer sie regieren gerade ein Land, müssen in eine Vorstandssitzung oder erfinden etwas). Ich halte das für eine gute Sache, denn so ist gewährleistet, dass die Menschheit überlebt (wobei ich gleichzeitig nicht restlos davon überzeugt bin, dass das tatsächlich notwendig ist). Ein Bekannter erzählte mir kürzlich, wie froh er sei, endlich über 40 zu sein, denn jetzt müsse er nicht mehr alle zehn Sekunden an Sex denken, sondern nur noch alle zwanzig. Ich hatte den Eindruck, dass er froh war, darüber reden zu können. Zumal er betonte, um wie vieles einfacher sein Leben geworden sei.

Zurück zum Thema. Fußballfans – Studien der letzten WM belegen das – vergessen auf Sex, sobald der Anpfiff ertönt. Die Wochen der Fußball-WM sind deshalb gefährlich für den Fortbestand der Menschheit. Als Frau kann man das ganz einfach testen: Begeben Sie sich tief dekolletiert in einen Raum, in dem Ihr Liebster mit seinen besten Freunden Fußball guckt. Sogar wenn Sie Bier bringen, werden Sie stören. Niemand wird es Ihnen sagen, es wird niemand auch nur ein Wort sagen: Die Jungs gucken Fußball! Die können nicht mit einer Frau sprechen! Und Oberweiten interessieren Sie 90 Minuten lang ausnahmsweise mal nicht. Es geht bestenfalls um Weiten, die ein Ball zurücklegt. Alles andere ist nebensächlich. Männer sind eben keine Multitasker. Während Frauen sich gleichzeitig die Lippen nachziehen, Kuchen backen, die Badewanne putzen und ein Buch über Ornithologie schreiben können, sind Männer eher eindimensional veranlagt. Sie beherrschen auch viele tolle Fertigkeiten, aber eben zeitlich hintereinander. Beim Fußball rächt sich das auf schreckliche Weise.

Wollen Sie also mit einem Fußballfan kuscheln (dies gilt natürlich auch für Männer, deren Frauen fußballbegeistert sind), können wir nur raten: Tun Sie es jetzt, vor dem ersten Anpfiff. Und danach gehen Sie als Frau Ihr Telefonbuch durch: Klaus-Peter, der Freund aus alten Tagen- den könnte man auch mal wieder anrufen. Klaus-Peter hasst Fußball- und ist somit ein idealer Begleiter für einsame WM-Stunden. Es geht ja nicht nur um die 90 Minuten, denn gewinnt der Favorit, wird stundenlang gefeiert, jede Spielszene wird achtzigmal durchdiskutiert und die Details werden mit steigendem Alkoholgenuss nicht wirklich interessanter. Und verliert der Favorit, ist das der Freibrief für ein Besäufnis – auch eher keine gute Voraussetzung für eine rauschende Nacht.
Also Klaus-Peter. Ebenso Hans, Horst-Dieter, Ernst und all die anderen. Kurzum: Menschen, die es mit der Treue nicht so wichtig nehmen, können bald vier Wochen lang wunderbar fremdgehen. Das tun sie sonst vermutlich auch, aber wenn WM ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es auffliegt. Es wird dem fußballbegeisterten Partner kaum auffallen, wenn man sich für ein paar Stunden aus dem Haus begibt. Im Internet habe ich auch das passende Kondom dafür gefunden, es heißt “Auswärtsspiel” und stammt aus der Kollektion “Fußballkondome mit lustigen Aufdrucken”.  Es gibt auch die Modelle “Anstoß”, “Freistoß” und “Verlängerung”. Jedem das seine. “Strafstoß” würde ich mir den Fall aufheben, dass es doch herauskommt. Nur  das Kondom-Modell “Elfmeter” gibt es nicht. Schade, sehr schade.

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