Fußball: Geld schießt Tore

Von Christian Spilgies. – Alle Jahre wieder zum Saisonfinale wird je nach aktuellem Tabellenstand Resümee gezogen über Überraschungen und Underdogs oder einfach nur „Die gewinnen doch nur, weil sie mehr Geld haben als die anderen“. War Fußball in seiner Anfangsphase eine Sportart für die unteren Klassen und nahezu ohne finanzielle Verpflichtungen – im Gegensatz zu damals populäreren Sportarten der oberen Klassen wie Jagd, Pferdesport, Golf, Tennis, Segeln, so ist er schon längst kommerzialisiert und in der Wirtschaft angekommen. Er stellt sogar in seiner Gesamtheit betrachtet als Unternehmen allein in Deutschland den einen oder anderen Konzern in den Schatten.

Dabei geht es lange nicht mehr nur um Schuhe und Bälle, neben dem Sport ist das Spiel zum Event im Stadion, davor und drum herum und vor allem auch in den Medien geworden. In diesem Rahmen kam es auch zum intellektuellen Ball- nein, Kommunikationswechsel auf einer Konferenz über Wirtschaft und Fußball Berlin. Die Wochenzeitung “Die Zeit” hatte geladen und neben prominenten Vertretern des deutschen Fußballs – Oliver Kahn, Martin Kind (Präsident Hannover 96), Peter Peters (Geschäftsführer FC Schalke 04) – sind auch Vertreter der Wirtschaft aufgelaufen. Anpfiff: Rückblick deutsche Pokalgeschichte: Bis 1985 war es gängige Praxis, das Finale in einem neutralen Stadion in ähnlicher Entfernung für beide Finalteilnehmer durchzuführen. Der DFB bewies Mut und Weitsicht und wollte Berlin auch erstklassige Spiele ermöglichen, da auch früher die Hertha gelegentlich in der 2. Bundesliga oder auch darunter weilte. Damals gab es noch Transitwege und die Fachpresse befürchtete Behinderungen durch die Grenztruppen der DDR und sorgte sich um die Unterbringung von 40.000 Fans in Berlin (West). Das Finale in Berlin hat einen eigenen Stellenwert, es ist zum Event mit
internationaler Bedeutung geworden. Auch die DFB-Elf mit Jogi Löw war da und das Sportstudio sendete aus Berlin und nicht aus Mainz. Nur Herr van Gaalen wähnte sich bei einem Auswärtsspiel, da die Sportstadt im grünen Farbenmeer
der Mannschaft aus Bremen geflaggt schien. Ihm sei verziehen, es ist sein erster Pokal in Deutschland und der veranstaltende DFB hat als Hausfarbe nun mal auch grün. Er nahm es sicher locker, hatte er doch das bessere Ende der
Partie.

Ein bisschen wie Pokal ist ja auch die WM: spielen dort doch auch bisher unbekannten Exoten und Kellerkinder des Fußballs mit. Auch die erste WM außerhalb der großen Fußball- oder Industrienationen ist doch schon wie ein Finalsieg, oder? Ein großer Sieg für die Kraft des Fußballs in einer globalisierten Welt. Was bringt der Fußball denn nun außer Fähnchen, Fanmeile und Fernsehrekorde? Ruht der bewaffnete Konflikt, wenn der Schiri das Spiel anpfeift? Sitzen schwarz und weiß, arm und reich vereint im Stadium oder vor dem TV? Die Welt hat ja nun seit vier Jahren nach Südafrika geblinzelt, ob die es denn auch schaffen? Nun haben sie es geschafft, die Stadien stehen, okay, die Infrastruktur ist anders als im Norden der Welt und ein paar Karten gibt es auch noch. Sehen wir es positiv: Dieser Umstand macht es vielleicht dem einen oder anderen Fußballfan doch noch möglich, dabei zu sein. Dass die Waffen schweigen ist Hoffnung, sicher nicht Selbstverständlichkeit. Willi Lemke, Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport, berichtete auf der oben genannten Konferenz von der friedlichen Wirkung des Fußballs gerade in unruhigen Gegenden und stellte die afrikanische Alternative zum Elfmeterschiessen vor. Bei Spielen der Jugend werden bei einem Unentschieden die beiden Mannschaften in den Mittelkreis geholt, dann werden – nach dem Motto: Wer wird Millionär? – Fragen zur AIDS-Prävention gestellt. Die richtigen Antworten entscheiden über Sieg oder Niederlage. Man stelle sich vor, deutsche Fußballprofis müssten Fragen nach Steuerehrlichkeit und Ethik im Sport beantworten.



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