Quergestreifte Muskeln

Von Silvia Meixner. – Ich stelle mir das so vor: Die Nahrungsmittelhersteller legen unverzüglich die Karten auf den Tisch. Es kann nicht sein, dass wir offenbar alle ohne unser Wissen gedopt werden! Radprofi Alberto Contador, Sieger der Tour de France 2010, steht unter Dopingverdacht, in seiner Urinprobe wurde die Substanz Clenbuterol nachgewiesen. Die ist verboten. Doping? Natürlich nicht! Der Spitzensportler beteuert, dass „verunreinigte Nahrung“ schuld an dem Blutergebnis sei. Irgendwie bin ich die Dopingproben-Ergebnisse aus dem Radsport leid. Aber wie Alberto Contador setze auch ich auf den Radsport-Weltverband UCI, der das Problem klären soll. Das soll leider noch Wochen dauern. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.

Allerdings nicht für die Nahrungsmittelhersteller. Wer weiß, was die in Joghurt, Brötchen und Schokolade tun, um uns heimlich zu dopen? Ich kann ja überhaupt nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob ich heute gute Laune habe, weil die Sonne scheint oder weil eine Substanz, deren Namen ich nicht einmal aussprechen kann, in meinem Käse war. Und wenn was drin war, wieviel? Wann muss ich die Dosis erhöhen? Werde ich abhängig und kann eines Tages nur noch Käse essen? Man kann ja nur noch milde den Kopf schütteln über Menschen, die beim Einkaufen darauf achten, dass nicht zu viele „E“ (Geschmacksverstärker, künstliche Farbmittel etc.) auf den Lebensmittelpackungen stehen. Rührend! Glutamat ist angesichts der aktuellen Entwicklung nun wirklich unser kleinstes Problem. Wer weiß, was alles im Pudding oder in den angeblich gesunden Tiefkühlerbsen ist.

Da ich viel Rad fahre, kann ich nicht länger weggucken und mir beruhigend „Das geht Dich nix an, du bist schließlich kein Profi!“ sagen. Seit einiger Zeit nämlich fällt mir auf, dass ich beim Radfahren schneller unterwegs bin als früher, bei gleichem Kraftaufwand. Da kann doch etwas nicht stimmen! Natürlich ist es besser als umgekehrt, aber dennoch mysteriös. Mein Dopingarzt ist derzeit leider verreist (vermutlich zu einem harmlosen Nahrungsmittelkongress, ich habe dummerweise nicht so genau zugehört, als er sein Reiseziel erwähnte), sodass ich ihn nicht befragen kann. Ich habe also „Clenbuterol“ gegoogelt. Eigentlich klingt das Wort ja harmlos. Es ist, so lese ich, „ ein Arzneistoff aus der der Gruppe der β2-Sympathomimetika und wird zur Behandlung von Asthma eingesetzt.“ Außerdem hat es zuverlässige wehen hemmende Wirkung (wozu braucht das ein Radrennfahrer?) und wird in der Tiermedizin eingesetzt, illegal, für die Kälbermast. Und Clenbuterol steht, missbräuchlich angewendet, als Dopingmittel in Verruf. Es soll helfen, die Leistung zu steigern, diverse andere berühmte Radprofis hatten auch schon Probleme mit dem Mittel. Die Wirkweise: die Muskelabbauprozesse werden verlangsamt, die quergestreifte Muskulatur freut sich. Der Mensch besitzt über 600 quergestreifte Muskeln, dazu gehören alle, die für die Bewegung des Körpers zuständig sind- und die Herzmuskulatur. Die Nebenwirkungen von Clenbuterol können Sie auf www.dopingnews.de nachlesen. Aber nur, wenn Sie sich fürchten möchten.

Sollten meine Leistungen im Radsport in den nächsten Wochen auch nur minimalst abnehmen (bzw. noch mehr zunehmen), werde ich den Radsport-Weltverband kontaktieren. Die müssen doch auch irgendwie für mich zuständig sein (ich habe zwei Fahrräder, kein Auto, diverse Basecaps und lehne jegliche Form von Doping ab).

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