Die Geissens sind gelandet!!

Von Silvia Meixner. – Die Geissens sind gelandet.  Mit dem Hubschrauber. Wie bescheiden. Eigentlich forderten sie noch einen weißen Tiger und sechs Harleys, aber da haben die Salzburger nicht mitgemacht. Sie haben einfach „Nein“ gesagt! In Wanne-Eickel oder Eickel-Wanne wäre das den Geissens bestimmt nicht passiert, da weiß man eben noch, wie Wohlhabende zu handhaben sind und dass Wünsche unverzüglich zu erfüllen sind. Ein Nein sind die Geissens nicht gewöhnt, da mussten sie ganz tapfer sein und vermutlich finden die Fernseh-Millionäre die Ösis jetzt ganz doof, aber da müssen wir Ösis halt durch. Das Millionärs-Ehepaar hätte den Tiger und die Harleys natürlich aus der eigenen Schatulle bezahlen können, aber man wird und bleibt ja nicht reich, wenn man weiße Tiger finanziert. Vermutlich kommen die Geissens jetzt nie wieder nach Salzburg, aber ich habe dort einige Menschen getroffen, die glaubhaft versichert haben, dass sie das gar nicht schlimm fänden.

Niemand war überraschter als ich, die beiden in der Mozartstadt anzutreffen. Da ich kein Fernsehgerät besitze, kenne ich die Millionärsfamilie nur aus der Print-Berichterstattung, aber auf die Idee, dass die beiden tatsächlich leben und dann auch noch meine Wege kreuzen könnten, wäre ich nie gekommen. Ich hielt die beiden bis gestern für eine glanzvolle virtuelle Erfindung. So ein bisschen wie die Simpsons, nur ohne Niveau, was nicht schlimm ist, weil Niveau relativ ist. Aber sie sind aus Fleisch und Blut, mit Goldflitter drauf und man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn man sie live erlebt. Eben aus Miami (sprich: Mai-ääää-miiii) gekommen, mit dem Hubschrauber  – so kündigt der Modenschaumoderator auf der Fach-Messe „Tracht & Country“ die beiden an und so sahen sie auch aus, irgendwie sehr mitgenommen. Wie man eben aussieht, wenn man mit dem Heli aus USA eingeritten kommt, wobei Augenzeugen davon überzeugt waren, dass sie nicht mit dem Hubschrauber über den Atlantik geschraubt sind, sondern nur das letzte Stück, genauer, die letzten zwei Luftkilometer, aber egal, es klingt eben cool. Immerhin 2000 Euro haben rund zehn Minuten Anflug gekostet. Aber für die Karriere muss man halt  einiges auf sich nehmen und wer’s geschafft hat, der geht, quasi als Sahnehäubchen, in die Modebranche und designt eine Dirndl-Kollektion. Wahlweise Schuhe, Handtaschen oder Anoraks. Es wird schließlich niemand gezwungen, die Produkte zu kaufen. Freundlich ausgedrückt sind Carmen Geissens Dirndl farbenfroh und fürs Puppenhaus geeignet, auch die Hüte mit Riesenschmetterling sind eine hübsche Deko-Idee für die nächste Kinderparty. Fürs Büffet, nicht für den Kopf. Die Dirndl sind zum Teil aus Tigerstoff gearbeitet. Tigerstoff! Die Blondine war diesmal bescheiden und nahm wenig Stoff, aber das macht die Sache auch nicht besser. Während der Modenschau sehnen wir uns nach einer österreichischen Dirndlpolizei, die beherzt zum Eingriff schreitet. Aber wie immer ist keine Polizei da, wenn man sie am dringendsten braucht.

Das Dekolleté war beeindruckend. Mit Goldstaub drauf! Österreichische Medien befürchteten gleich das Schlimmste und fragten besorgt: „Was ist bloß mit dem Busen von Carmen Geiss passiert? Keck reckt sich das Dekolleté der TV-Millionärs-Gattin dem Betrachter entgegen. Über die Form des feschen Dirndl-Ausschnitts lässt sich nichts sagen, aber die Brust erscheint doch merkwürdig fleckig.“ Braun-Gold-Schattierungen, zu viel Goldstaub erwischt, das kommt in den besten Familien vor. Vielleicht wurde die Designerin auch während des Heli-Fluges, frisch geschminkt, ein wenig durcheinander geschüttelt, Turbulenzen, die Rache Mozarts, wer weiß das schon.

Es war meine erste Trachten-Fachmesse, sodass ich die Basis-Informationen von Experten erst einmal sorgfältig sammeln und einordnen musste. Eine Bayerin erklärte mir, wie man bei ihr zu Hause Dirndl nennt, die zu kurz, zu bunt und irgendwie zu klein geraten sind: Fi.. mich-Dirndl. Sie sind, legt man traditionelle Maßstäbe an, nicht schön, haben aber auch ihre Vorzüge: Sie kosten wenig, verbrauchen bei der Herstellung wenig Stoff und wenn man sie als Trägerin irgendwo vergisst oder vergisst, sie nach dem Ausziehen wieder anzuziehen, ist es auch nicht schlimm. Beim Fototermin forderte der Fotograf die Designerin auf: „Carmen, jetzt ein bisserl bitte mehr vorlehnen – ja, jetzt wird das ein Foto…!“ Die Szene ist wirklich super: http://www.salzburg24.at/die-geissens-auf-der-tracht-country-in-salzburg/3504647

Es gab am Wochenende dann doch noch eine gute Nachricht aus Österreich: In Kärnten, der einstigen Hochburg der Rechtspopulisten, erreichte die FPK nach ersten Hochrechnungen 17,3 Prozent. Sie regierten das an sich schöne österreichische Bundeslang bislang leider mit knapp 45 Prozent, jetzt sind die Sozialdemokraten an der Macht. Und die Geissens? Die fliegen vermutlich gerade mit dem Heli wird nach USA und machen Tank-Zwischenstopp in Neuseeland.

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