Schweigen, 2-sprachig.

Von Elisabeth Hewson. – Warum nach Finnland fahren? Das Wetter verlockt nicht wirklich – außer im Winter, wenn dickes Eis auf Meer und Flur  das Gefühl von Polarexpeditionen vermittelt, und die endlosen Nächte Geheimnis und Abenteuer. Aber im Sommer? „Nimm Dir ja Mückenspray mit!“ hört man da immer als erste Reaktion. „Und eine Regenjacke“ als zweite.ch wo sonst geht man gemeinsam Teppiche waschen? Wo sonst schlug der Tango die Beatles in den Charts und wird in Birkenwäldern getanzt? Wo sonst konnten die „Angry Birds“ erfunden werden? Wo sonst findet man derartig viele Seen, geschmückt mit einfachen Häuschen, die innen mit absolut coolem Design überraschen? Wo sonst gibt es so viele Natureislaufplätze?

Auch anderswo mögen die Menschen jeden Alters und Geschlechtes asymmetrische Frisuren in seltsamen Farbkombinationen auf die Straße führen. Oder den mit Eibutter oder Reisbutter gefüllten Piroggen irgendeinen Geschmack abgewinnen. Aber nur hier gibt es die Menschen, von denen Brecht sagte: „Die Finnen sind ein Volk, das in zwei Sprachen schweigen kann.“ Was heute nicht mehr stimmt, denn die meisten können auch Englisch. Und wenn man einmal das Eis gebrochen hat (eine für den Großteil des Jahres höchst passende Redewendung), dann plaudern auch Finnen, und sind dabei noch besonders gastfreundlich, offen und fröhlich.

Aber dazu muss man erst einmal hin kommen. Fähren sind da höchst angebracht. Vorzugsweise eine kleinere Fähre, die noch richtig persönlich und einfach ist, ohne Musikbeschallung, Tanzbar und Spielautomaten: wie die MS Transeuropa von Finnlines. Für die höchstens 114 Passagiere gibt es 30 Außenkabinen, Sauna, Whirlpool und Planschbecken, im Sommer sogar eine kleine Minigolf-Anlage (so ruhig kann die Ostsee sein!) und 22 freundliche Seeleute, die sich um die Passagiere kümmern. Rundum an Deck findet man immer einen ungestörten Winkel, wo man sich einen Deckchair aufstellen kann, eine Decke holen und lesen oder Wolken- und Wellenschauen.

Man kann lange schlafen, weil es seit neuestem von 9.30 bis 13.30 Brunch gibt (übrigens: wie auf allen finnischen Fähren gilt hier die finnische Zeit, egal, wo man gerade anlegt oder abfährt). Am Nachmittag, zwischen Sauna und Nichtstun, kann man sich einen Drink an der Bar holen und auf ein Buffet-Abendessen freuen. Es gibt sogar einen kleinen „Sailor’s Shop“, in dem die Dinge in den Regalen tanzen, wie überall auf einem Schiff: Das Vibrieren der Maschinen begleitet einen dann mit „Mikromassage“ auch wohlig in den Schlaf und man vermisst es, wenn man wieder von Bord ist. Eine Mini-Kreuzfahrt (von Rostock nach Helsinki verbringt man zwei Nächte an Bord, die Fahrt dauert 36 Stunden) wie man sie erholsamer und unaufgeregter nicht verbringen kann. In der Vor- und Nachsaison ist immer ein Platz zu kriegen, für Juni, Juli und August sollte man sich aber drei Monate vorher anmelden, denn da lassen sich viele Urlauber in Ferienhäuser bringen.

Doch nicht nur der Weg soll das Ziel sein. Man landet in Helsinki, Designerhautpstadt 2012 mit eigenem Designerviertel – ein absolutes Shopping-El-Dorado, wo man Dinge entdecken kann, die es sonst wirklich nirgends gibt. 80 Museen sind zu besuchen, davon ein Freilichtmuseum mit eiszeitlichem Marktdorf, das eine eigene Insel besetzt hat. Eine frisch restaurierte alte Markthalle mit netten kleinen Lokalen und einem ständigen Flohmarkt auf dem Platz davor macht Spaß und Appetit. Eine Rundfahrt mit der Straßenbahn zeigt viele wuchtige Gebäude in der finnischen „Nationalromantik“ aus Granit, aber auch viel modernes Design, Holzhausarchitektur und sehr viel Grün.

Und dann wieder zurück auf der geliebten kleinen Fähre mit Einschlafmassage, herrlicher Ruhe und vielen Möven, die wahrscheinlich alle Emma heißen.

 

www.finnlines.de

www.visithelsinki.fi

 

Fotos: Elisabeth Hewson

 

 



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