Häkeln gegen das Böse

Von good-stories.de/red. – Manche sind fast am ganzen Körper tätowiert und es wirkt ungewöhnlich und ein wenig unbeholfen, wenn man sie mit zarten Häkelnadeln in den wuchtigen Händen sieht: Brasilianische Häftlinge stricken in einem Hochsicherheitsgefängnis für die Modedesignerin Raquel Guimares. Ein erstaunliches kleines Projekt, das die Wirtschaft ankurbelt, für beide Seiten ist es ein Win-Win-Projekt: Die Modeschöpferin fand nicht ausreichend Mitarbeiter, die für ihre Luxusmarke arbeiten wollten- und im Gefängnis freut man sich über Aufträge, die ein bisschen Geld bringen und eines Tages für die Häftlinge eine neue berufliche Perspektive bieten können. Eines Tages, wenn sie wieder in Freiheit sind. Auf jeden Fall ist es eine vernünftige Tätigkeit, um die langen Tage im Gefängnis zu verbringen. Wer fleißig ist, wird früher entlassen, für drei Tage Stricken oder Häkeln wird den Häftlingen im Hochsicherheitsgefängnis Arisvaldo de Campos Pires, 160 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro, ein Tag Gefängnisstrafe erlassen, einen kleinen Lohn gibt es natürlich auch.

Raquel Guimares nennt ihr Projekt „Lotusblume“. Wenn sie ihre freien Mitarbeiter, die nicht gänzlich frei sind, besucht, wird sie von kräftigen Gefängniswärtern begleitet und beschützt. Denn die Männer, die für sie arbeiten, sind Schwerverbrecher, sie wurden unter anderem wegen Mord oder Raub verurteilt und sitzen lange Haftstrafen ab. Aber sie sind auf dem richtigen Weg, wollen nach ihrer Entlassung einen Weg zurück in die Gesellschaft finden. Die „Lotusblume“ soll helfen. 18 Häftlingen brachte die Modedesignerin Stricken und Häkeln bei, im Gefängnis entstehen wunderschöne Pullover, Schals, Ponchos. In Brasilien, den USA, Japan und Frankreich sitzt die Kundschaft, die Raquel Guimares‘ Mode schätzt.

Immerhin 75 Prozent des brasilianischen Mindestlohns bekommen die „Lotusblume“-Mitarbeiter, ein Viertel davon erhalten sie allerdings erst dann, wenn sie entlassen werden. Als kleines Startkapital in ein Leben, das hoffentlich besser sein wird als jenes, das sie vor ihren Straftaten geführt haben.



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