Schluck! Runter damit.

Von Silvia Meixner. – Krautreporter sind die Crowdfunder des Journalismus. Die goldenen Zeiten, in denen Verlage ihre Reporter mit Kreditkarte und guten Wünschen versehen in die weite Welt schickten, sind lange vorbei. Der Journalist von heute muss sich sein Geld für die Traumreportage häufig erbetteln. Ob das gut oder schlecht ist, wollen wir hier und heute nicht hinterfragen – gut, dass es das Internet gibt!

Wenn Sie immer schon mal wissen wollten, wie das mit dem Crowdfunding geht und wenn Sie vielleicht noch ein paar Euro übrig haben und einmal Mäzen sein möchten – hier ist ein tolles Projekt. Die Berliner Journalisten Alexandra Grossmann und Helge Denker bitten derzeit auf der Internetplattform „Krautreporter“ um Spenden für ein journalistisches Projekt, in dessen Rahmen geklärt werden soll, warum in einem reichen Land wie Deutschland täglich Medikamente, die noch nicht abgelaufen sind, in den Müll gekippt werden.

Folgende Fragen sollen geklärt werden: Warum darf man Medikamente, deren Verpackungen noch (teilweise) unversehrt sind, nicht spenden? Mittlerweile gibt es auch in Deutschland viele Menschen, die sich Medikamente nicht mehr leisten können. Hilfsorganisationen müssen Medikamente mit Spendengeldern erwerben, während viele Menschen Tabletten wegwerfen. Irgendetwas läuft hier völlig schief, Alexandra Grossmann und Helge Denker wollen das Thema mit ihrem Projekt „Medikamente auf dem Müll“ in die Öffentlichkeit bringen. Sie fragen sich – und andere – wer eigentlich etwas von dieser seltsamen Gesetzeslage hat. Die Pharmaindustrie? Die Apothekerlobby?

Die beiden Journalisten sagen: „Laut Arzneigesetz dürfen in Deutschland Pillen, Tabletten, Pulver und Zäpfchen weder zurückgenommen noch gespendet oder verschenkt werden, wenn sie einmal verkauft sind.  So landen ungeöffnete und nicht abgelaufende Medikamente oft im Hausmüll. Die gigantische Verschwendung treibt die Preise für Arzneimittel künstlich in die Höhe und schadet den Verbrauchern. Von dieser Regelung profitieren die Konzerne der Pharmaindustrie.“

Zwar nehmen Apotheken angebrochene Packungen zurück, tun dies aber nur widerwillig. Mir beschied einmal eine Apothekerin, dass sie nur jene Rest-Pillen zurücknehme, die ich auch bei ihr gekauft habe – wie soll ich das nach drei oder fünf Jahren noch wissen? Wenn  ähnlich wie bei Lebensmitteln ein Umdenken einsetzt und vielleicht sogar die Gesetze geändert werden, haben die beiden Autoren mehr als ihr Krautreporter-Ziel, eine Bestandsaufnahme zu machen, erfüllt. Hand aufs Herz, wann haben Sie zuletzt die letzten paar Hustentropfen, abgelaufen 2007, verschämt ins Klo gekippt?  Oder die abgelaufene Packung mit den Pillen, die Sie im Ernstfall vor der Hühnergrippe retten sollten, schnell in den Mülleimer geworfen? Jetzt können Sie es mit einer Spende gutmachen – und vorher dieses Infovideo gucken:

https://krautreporter.de/medikamente_auf_dem_muell

 Bis zum 31. März müssen 3800 Euro zusammenkommen, derzeit sind 2485 in der Schatulle, Spenden ab 20 Euro sind willkommen

Bei Helge Denker ist das sensible Thema in den besten Händen: Sein Vater Dr. Uwe Denker, ein Hamburger Arzt im Ruhestand, gründete die Hilfsaktion „Praxis ohne Grenzen“, dort erhalten Menschen, die sich keine Krankenversicherung (mehr) leisten können, unentgeltlich medizinische Hilfe. An Ruhestand ist nicht mehr zu denken- die Zahl jener, die diese Hilfe in Anspruch nehmen, steigt ständig.

Foto: Silvia Meixner



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