Die Super-Schnüffler

Von Gisela Schütte. – Auch wenn sie bei Punks als Haustiere beliebt sind, gelten sie vielen Menschen als Inbegriff des Ekels gleich nach den Kakerlaken – Ratten, als Bewohner der Kanalisation und Überträger der Pest verabscheut. In den Niederlanden aber stehen die Nager jetzt in Staatsdiensten. Derrick, Magnum und Poirot sind offiziell als Polizeiratten eingestellt, um für die Ordnungshüter Schnüffeldienste zu leisten. Sie suchen nach Drogen und Schießpulver.

Und sie helfen der Polizei beim Sparen. Denn eine Ratte kostet gerade mal zehn Euro, während für einen Polizei-Spürhund schon fünfstellige Beträge fällig werden, die Ausbildung eingeschlossen. Die Ratten dagegen haben einen neuen Geruch in zehn bis 14 Tagen verlässlich in der Nase.

Je langweiliger das Leben der Ratte ist, umso besser sei sie bei der Detektivarbeit, sagte die Projektleiterin Monique Hamerslag. Männliche Ratten seien zudem bessere Schnüffler als weibliche. Trainiert wird mit kleinen Tee-Eiern. In einem Ei steckt das Pulver, das Derrick suchen soll. Für den schwarz-braunen Ratterich eine Sache von zwei Sekunden. Bezahlt wird der Schnüffler in Sonnenblumenkern-Währung.

Die Einsatzmöglichkeiten für die Nager sind vielfältig. Beispiel Schießerei. Wer hat die Pistole abgedrückt? Natürlich gibt es bereits Tests, um Pulverspuren an den Händen der Täter nachzuweisen. Aber die Ratten erledigen das billiger – und schnell. Allerdings, berichtet Hamerslag, sei der Rattentest vor Gericht noch nicht zulässig. Aber wenn Derrick und Co. schon mal ihr Statement abgegeben haben, können die Labor-Techniker gezielt nacharbeiten, die gerichtsfesten Beweise vorlegen und dennoch viel Geld sparen.

Die Idee zum Einsatz der klugen Nager im Polizeidienst hat Hamerslag aus Afrika. Hilfsorganisationen setzten in Tansania Ratten bei der Suche nach Landminen ein. Nach ersten Tests der Tiere in den Niederlanden fiel die Entscheidung, sie in den Polizeidienst aufzunehmen. Das Training begann, mit viel versprechenden Ergebnissen.

Die Polizeihunde werden sie aber nicht komplett ersetzen können. Denn Ratten sind scheu und lassen sich nicht mal eben auf einen Tatort oder in einen Schmuggel-Container auf die Suche schicken. Auch bei der Durchsuchung am Flughafen wird man ihnen nicht begegnen. Am besten sei es, den Geruch zu den Ratten zu bringen und nicht umgekehrt, sagt Hamerslag. In ihrer gewohnten Umgebung erledigen sie in Sekunden ihre Pflicht, sauber und ordentlich und so possierlich wie die Mäuse. Sie sind halt nur ein wenig größer.

 

Illustration: Gisela Schütte



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