Yogaga!

Warum machen die das? – fragen jene, die es nicht tun. Yoga erscheint vielen als rätselhafte Verrenkungs- oder Insichversinken-Angelegenheit. Die merkwürdigen Figuren (“Asanas”) tragen so ulkige Namen wie “Die Krähe”, “Das Kamel” oder “Namaskar 3″ (nein, kein bislang unentdeckter Gipfel im Himalaya). In Deutschland gibt es derzeit einen Yoga-Boom. Es gibt so viele Kurse und Studios, dass einem schwindelig werden kann. Es gibt Kurse für Kinder, werdende Mütter, Mütter& Kinder,  Menschen ab 55, Lach-Yoga und Menschen, die schlaflos sind, treffen sich beim “Mondschein-Yoga”. Deutschland, ein Yoga-Dschungel? Wir holen Sie da raus! good-stories.de präsentiert “Yogaga!”, Deutschlands erste Kolumne für Yogis und Yoginis (so heißen die weiblichen Yoga-Jünger).

Teil 1: Die Bekehrung

Von Yogini. – Ich gestehe: Früher habe ich Menschen, die Yoga machen, belächelt. Wenn mir jemand von den beruhigenden Auswirkungen des „herabschauenden Hundes“ (so heißt ein Klassiker der Übungen) vom 2. Wirbel bis zur kleinen Zehe erzählte, guckte ich höflich und dachte bei mir: Mein Gott, ist der  bekloppt, in unseren Breitengraden kann man nun wirklich ein Buch lesen oder schwimmen gehen, wenn man Zerstreuung sucht. Heute gehöre ich selbst zu den Belächelten (denn ich bin sicher, dass andere es ulkig finden, wenn sie mich meine Verrenkungen üben sehen/könnten- sei’s drum!).
Was ist passiert? Es war nachts und es war in Indien und ich konnte nicht schlafen. Der moderne Mensch hat in Hotels zwei bis drei Möglichkeiten, sich schlaflose Nächte zu vertreiben: Man kann in der Bibel lesen oder fernsehen. Ist man ein Mann, kann man noch Pornos gucken. Ich entschied mich spontan fürs traditionelle Fernsehen und bekam etwas zu sehen, das sich tief in meinen Gehirnwindungen festgesetzt hat. Ich habe den Namen des Gurus längst vergessen, aber seine beeindruckende Vorführung verfolgte mich wochenlang. Der total ausgeglichen wirkende Mann war in der Lage, seine Gedärme dermaßen zu bewegen, dass man als unbeteiligter Fernsehzuschauer glauben konnte, in seinem Bauch tanze eine Riesenschlange! Ich saß wie hypnotisiert auf meinem Hotelbett. Mein Jetlag war weg, ich war wach wie noch nie. Da ich keinen Alkohol zu mir genommen hatte, konnte ich nachts in Bombay (ich weiß, dass es Mumbai heißt, finde aber, wie viele Inder, den alten Namen dieser faszinierenden Stadt viel schöner, weshalb ich sie, wie viele Inder auch, stur ebenfalls weiterhin Bombay nennen werde) davon ausgehen, dass es das tatsächlich geben müsste. Das wollte ich auch lernen! Mein Leben hatte einen neuen Sinn, ich war bekehrt. Ich gelobte, bei der Schlange im Bauch,  nie wieder würde ich mich über einen Yogi lustig machen.
Um sicher gehen zu können, keinem TV-Scharlatan aufgesessen zu sein, recherchierte ich am nächsten Tag unter Indern, ob das mit rechten Dingen zugegangen sei. Die Befragten lächelten milde und versicherten mir glaubhaft, dass das selbstverständlich kein Zaubertrick gewesen sei. Seit Jahren wunderte ich mich, warum Indien den etwas seltsamen Tourismus-Werbespruch “Incredible India” hat – nun wusste ich es. Sie sind wirklich unglaublich, diese Inder. Zurück in Berlin begann ich, mich intensiv mit Yoga zu befassen. Kein Ingwer-Öl-Vollbad ohne Yoga-Buch und nachts im Bett lese ich neuerdings keine Romane oder Zeitungen mehr, sondern versuche gewissenhaft, Asanas (so heißen die Yoga-Stellungen) zu verinnerlichen. Es geht ja nicht nur um die Verrenkungen, sondern auch darum, die Übungen korrekt auszuführen und dabei die „richtigen“ Gedanken zu haben. Sonst klappt das mit der Bauchschlange nie. Deren Trainingsbeginn habe ich übrigens ungefähr ins Jahr 2011 verlegt, davor muss ich mir nämlich Grundkenntnisse aneignen. Seit Monaten besuche ich deshalb diverse Berliner Yoga-Studios. Meine Mühen sollen nicht umsonst gewesen sein und deshalb werde ich Sie mit den Lesern von good-stories.de teilen.
Die nächste Kolumne: Flirtort Yoga-Studio und warum man seine Füße pflegen soll.



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