Bücher vom Band

Von Gisela Schütte. – Norderstedt vor den Toren Hamburgs, eine durch Gebietsreform entstandene Stadt mit einem Gewerbegebiet unweit des Flughafens Fuhlsbüttel. Zwischen Logistik und Handwerksbetrieben werden hier Produkte der besonderen Art gefertigt:  Bücher. In langen Reihen laufen sie vom Band wie anderswo die Semmeln – Taschenbücher und Hardcoverbände, Romane und Wörterbücher, Bildbände und wissenschaftliche Publikationen. Bis zu 20.000 Exemplare pro Tag und das in einer kontrastreichen Mischung: Auf Stapeln liegt das Wörterbuch Rumänisch/Finnisch neben einem Liebesroman von Emily Bold, Natural Dog Food wartet neben einem Fachbuch über Vitamine auf die Auslieferung und dazwischen rangiert eine Chronik, die eine ganz persönliche Familiengeschichte festhält. Neben den Laufbändern und Stapeln wird gedruckt, automatisch sortiert, geschnitten, geklebt, gefaltet und verpackt.

Books on Demand (BoD) heißt das Unternehmen, das im Auftrag für Verlage und für Autoren arbeitet. 1,4 Millionen Titel sind auf dem Server gespeichert, jederzeit abrufbar und können innerhalb von zwölf Stunden produziert werden, von einem Exemplar an aufwärts. Möglich ist das seit der Digitalisierung des Drucks.

Das 1997 gegründete Unternehmen agiert seit 2001 als selbstständiger Dienstleister für rund 1700 Verlage und über 27.000 Autoren, für die hier auch kleine Auflagen produziert werden, beispielsweise im wissenschaftlichen Bereich. Gleichzeitig können die großen Verlage aber auch ältere Titel langfristig anbieten, ohne selbst Auflagen vorzuhalten. Sie liefern via BoD; dort wird gedruckt, was bestellt ist.

Immer bedeutender wird für das Unternehmen der Bereich Self Publishing: Früher wurden sie belächelt, die  Möchtegern-Autoren, die ohne Verlag und Agenten gegen Druckkosten ihre Werke veröffentlichen ließen, die dann zur Pflichtlektüre in der Familie wurden.  Inzwischen wächst die Zahl der Schriftsteller, die ihre Arbeit selbst veröffentlichen und damit auch Geld verdienen (wollen). Das bestätigt eine europaweite Erhebung von BoD unter über 2700 Autoren. Das E-Book hat einen maßgeblichen Anteil an diesem Wandel. Allein in Deutschland ist heute bereits jedes zweite E-Book und jedes vierte Printbuch selbstverlegt, mit steigender Tendenz. Dabei treten die professionellen Self-Publisher zunehmend an die Stelle der Hobby-Autoren. Laut Erhebung sind es bereits 57,8 Prozent der Befragten, doppelt so viele wie im Vorjahr und mit wachsender Tendenz.

„Self-Publishing-Titel dominieren heute vielfach die E-Book-Bestsellerlisten“, sagt BoD-Geschäftsführer Dr. Florian Geuppert. „Darüber hinaus entscheiden sich immer mehr Autoren bewusst für das verlagsunabhängige Veröffentlichen, um ihre Bücher schnell, einfach und ohne inhaltliche Kompromisse an den Leser zu bringen. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Strukturwandels in der Verlagslandschaft wird sich dieser Trend in Zukunft noch weiter fortsetzen.“ Schon jetzt ist das Unternehmen europäischer Markt- und Technologieführer im Bereich der digitalen Buchpublikation und das Original im Self-Publishing

Mit dem Wunsch nach professionellen Veröffentlichungen steigt die Nachfrage nach Dienstleistungen im Hinblick auf Gestaltung und Text. So können sich die Self-Publisher bei BoD Hilfe wie Korrektur und Lektorat, Buchgestaltung, aber auch bei der Pressearbeit dazukaufen. Ein Einsatz, der sich lohnt. Denn  die Einnahmen von Titeln, die mit externer Hilfe erstellt und gestaltet wurden, liegen durchschnittlich 17,9 Prozent über denen, die ohne Dritte entstanden sind.

Bleibt das Problem: Wie kommt das selbst publizierte Buch in den Handel? Fast jeder zweite Autor geht bei den Buchhändlern Klinken putzen. Das klappt laut Umfrage in drei von vier Fällen. „Die wachsende Professionalisierung der Autoren bietet dem stationären Buchhandel eine große Chance, stärker vom Self-Publishing-Boom zu profitieren“, erklärt Geuppert. „Um Sichtbarkeit für Self-Publishing-Titeln zu schaffen und gleichzeitig den stationären Buchhandel zu stärken, haben wir jüngst eine Kooperation mit eBuch, dem größten genossenschaftlichen Verband im deutschen Buchhandel, gestartet, durch die Self-Publisher künftig ihre Werke in regionalen Buchhandlungen platzieren können.“

Dass das gedruckte Buch weiter wichtig bleibt und Self-Publishing auch in Zukunft nicht auf das E-Book beschränkt sein wird, davon sind auch 83,2 Prozent der Studienteilnehmer und auch die Experten überzeugt. „Einhergehend mit dieser Entwicklung steigt der Bedarf der Self-Publisher nach Serviceangeboten für die professionelle Erstellung und Vermarktung ihrer Bücher. Als führender Self-Publishing-Dienstleister werden wir in diesem Bereich unser Angebot künftig noch stärker ausbauen, um Autoren maßgeschneiderte Lösungen anbieten zu können.“

www.bod.de

 

Foto: Books on demand

 



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