Im Reich der Riffhaie

Von Elisabeth Hewson. – Schon das Programm der Malediven-Reise weckt Sehnsucht: Inseln, deren Namen schon nach dem Paradies hinter dem Horizont klingen – Kuramathi, Kandoluh,, Maafushivaru, Kurumba und Velassaru. Kuramathi ist von der Hauptinsel Male aus mit Wasserflugzeug erreichbar – von einem Piloten in Flipflops angesteuert – ist die größte, die wir besuchen werden. Aus der Luft rätselt man noch, ist es dieser grüne Flecken im Meer, türkis eingerahmt, oder ist es doch der dort?

Man landet dann bei einem Ponton und wird mit kleinem Boote zu der Familieninsel gebracht, ganze 600 Meter breit, wo man in Golfcarts von einem Ende zum anderen (immerhin 2 km) zum Segeln, Windsurfing, Kajak oder Stand-Up-Paddeln gerumpelt wird. Seltsame Vögel rufen aus dem kleinen Dschungel in der Mitte der Insel, in dem sich auch die Unterkünfte der 830 Mitarbeiter verstecken, der Sand ist unwirklich weiß und fein, der Geruch betörend süß, die Palmen rascheln im Wind, das hellgrün-bis tintenblaue Meer schwappt leise an den ständig gebürsteten und gerechten Strand, für dessen Sauberkeit und zum Schutz der Gäste Kokosnüsse mit abenteuerlichen Kletterübungen von den Palmen gehackt werden.

Hat man sich erst einmal im fast tiefgekühlten Bungalow mit Strohdach und eigenem Garten und Privatstrand niedergelassen und tritt ins „Badezimmer“, merkt man die Tropen so richtig: denn das Zimmer ist (uneinsichtiger) Teil des Gartens, man duscht zwischen Hibiskus und Orchideen oder lässt sich im eigenen Jacuzzi durchplätschern. Und dann endlich mit Schnorchel und Flossen ins kristallklaren Meer, das die gleiche Temperatur hat wie die Luft, 28 bis 30°, und in dem man zu schweben scheint. Neun Schnorchel-Kanäle geben den Weg zum Außenriff frei, wo wasserballgroße Schildkröten sich in den algenbedeckten Korallen verbeissen oder träge an uns vorbei paddeln, ohne sich stören zu lassen.

Kleine Riffhaie schauen eher herzig als bedrohlich aus, Killermuscheln leuchten in Türkisblau, Fische in allen Farben, Formen und Größen tanzen und schwänzeln um uns herum, es ist einfach bunt und bezaubernd: die Unterwasserwelt ist, trotz Korallensterben beim letzten El Nino (fast 75% fielen der Korallenbleiche zum Opfer) noch immer unfassbar vielfältig. Genau Bescheid weiß darüber Helmuth, der Chef der Tauchschule, den man abends zum Plaudern oft an der Bar trifft; oder Angie, eine der 40 Meeresbiologen, die auf den Malediven forschen, Bestandsaufnahmen machen und versuchen, den Besuchern die biologischen Zusammenhänge hier möglichst bildlich zu erklären und damit Umweltschutz zu betreiben. Wie man umgekippte Korallenstöcke wieder anklebt, zum Beispiel.

Es werden auch Korallen-Hilfsaktionen gestartet: Auf Kurumba werden gerade Korallen, die einem Landgewinnungsprojekt des Staates zum Opfer gefallen wären, umgesiedelt und auf Unterwassertischen, langen Metallgittern, befestigt und beobachtet. „Zur Zeit gibt es kein Anzeichen von Stress, die Tiere fühlen sich offenbar wohl. Wir hoffen, dass sie sich vermehren und eines Tages das ganze Gitter überwuchern.“ Verena Wiesbauer, Kurumbas Beraterin für meeresbiologische Themen, lebt schon seit einigen Jahren hier. Sie freut sich besonders über die seltene Pechkoralle, die sie neben den vielen Steinkorallen mit Freiwilligen und der NGO „Save the Beach“ retten konnte.

Etliche Lokale gibt es auf Kuramathi, und wenn es einmal regnet, tropisch-warm, dann passt ein Massage-Programm perfekt. Jede Insel bietet Spas an, mit allen möglichen „Relaxing-Treatments“, wobei man sich fragt, was es auf diesen Trauminseln zusätzlich zu relaxen gibt. Danach auf zum Island Barbecue, man serviert Wagyu-Steak und eine  Riesenauswahl an Weinen.

Stelzen machen’s möglich. Nächste Insel, nächster Luxus. Kandoluh wurde erst vor ein paar Monaten eröffnet, war vorher bloß eine „Picknickinsel“ für Kurzbesuche, und wird jetzt von einem britischen Ehepaar geführt. Klein und fein, 19 Strand- und 11 Wasservillen auf Stelzen garantieren Privatsphäre und ungestörte Ein- und Zweisamkeit. Die Badewanne schwebt über dem Meer, Stufen führen direkt zum Korallenriff, man kann die häufigen, malerischen Gewitter weit draußen am Horizont beobachten. Ein Gym (für ausgiebiges Beintraining ist die Insel einfach zu klein, in nicht einmal 5 Minuten hat man sie umrundet) und vier Restaurants passen gerade noch auf die Insel, nicht zu vergessen Spa und Sport-Center. Und auch die anderen Inseln sind Paradiese. Schade, dass jede Reise auch einmal ihr Ende hat…

 Foto: Elisabeth Hewson

 

 

 

 

 

 



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