Rentner auf Mörderfang

Von good-stories.de/red. – Auf Sylt gibt es viele Urlauber. Und viele Menschen, die es den Urlaubern schön machen. Und Einbrecher und Mörder. Ist Deutschland ein böses Land? Auf jeden Fall eines, in dem die Polizei offenbar nicht mehr hinterherkommt. Es gibt zu viele Böse. Und zu wenig Polizisten. Da ich noch nie etwas von Dora Heldt gelesen habe, entschied ich mich für ihren ersten Kriminalroman. Schon während der Lektüre von Böse Leute“ (dtv,  442 S., 14,90 Euro)  stellte  sich ein gepflegtes Gefühl der Berechenbarkeit und Langeweile ein. Herzpatienten müssen keinen jedenfalls nicht die Nummer des Arztes ihres Vertrauens bereithalten. Ich liebe Krimis, die ich nicht mehr aus der Hand lege, ins Bad und in die Küche mitnehme und es für ein bis zwei Tage schaffe, mein Leben parallel zum permanenten Lesen irgendwie weiterzuführen. Leider gibt es diese Bücher nur selten.

„Böse Leute“ ist ein harmloses Buch für einen langen Sommernachmittag, an dem man zu faul ist, um an den Strand zu gehen oder einfach seine Ruhe haben und über nichts Ernsthaftes nachdenken will. Für einen Krimi – auch wenn er als Kriminalroman betitelt ist, ist „Böse Leute“ (dtv,  442 S., 14,90 Euro)  ein bisschen zu brav. Die Story mäandert sich über die Insel und erfüllt alle Klischees. Die Idee ist nett: Hauptkommissar a.D. Karl Sönnigsen leitet ein Rentner-Quartett, das davon überzeugt ist, effizienter als die Polizei von Sylt zu sein. Erst wird reihum eingebrochen, dann wird eine Frau ermordet. Sönnigsen bringt seine ehemaligen Kollegen mit seinen Ratschlägen zur Weißglut, behält die wirklich wichtigen Informationen aber natürlich am liebsten für sich. Es gibt ein bisschen Rentner-Liebelei, ein bisschen Amore unter jüngeren Polizeibeamten und ein bisschen Insel-Feeling.

Die Botschaft des Buches: Deutschland, sei wachsam. Wir leben in einer alternden Gesellschaft und möglicherweise übernehmen immer mehr Rentner künftig die Arbeit der Polizei. Vielleicht ein gutes Zeichen, vielleicht reißt uns das alle in den Abgrund. Wir werden sehen. Ich habe das ausgelesene Buch dann am Pool liegengelassen. Für den nächsten Gast. Irgendjemand hat sich bestimmt darüber gefreut.

Foto: Silvia Meixner



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