Von Silvia Meixner.- Man liest ja oft, dass die Menschen im Flugzeug am liebsten Tomatensaft trinken. Ich weiß nicht, woher diese Statistiken kommen, vermutlich von Tomatensaftherstellern. In der Erlebniswelt der First Class von Cathay Pacific kommt das Wort Tomatensaft nämlich gar nicht vor. Kaum hat der Fluggast die futuristisch-elegant anmutende Abteilung betreten, tritt eine beeindruckende Verwöhnungsmaschinerie in Gang: Denkt man an Champagner, steht er auch schon da.
Mal ehrlich: Warum sollte man da noch Tomatensaft ordern? Den kann man getrost wieder unten, auf der Erde, zu sich nehmen. Und damit wir nicht in ähnliche Schwierigkeiten wie die “Welt am Sonntag” geraten, die kürzlich wegen zu häufiger Nennung einer Airline in einem Artikel vom Presserat gerügt wurde (würde der angeblich objektiv handelnde Presserat jede Publikation rügen, die eine Airline oder Hotelkette, auch mehrfach, nennt, hätte er viel zu tun!), gestehen wir es lieber gleich: Wir waren auf dem First Class-Flug Frankfurt-Hongkong-Shanghai von Cathay Pacific zum Testen eingeladen. Sogar die lieben mitreisenden Kollegen sind vor Staunen stumm und wir beschließen feierlich, die Bordkarte aufzuheben. Wer weiß, ob wir je wieder so luxuriös reisen werden.
Schon nach kurzer Zeit steht fest: Gäbe es in den Flugzeugen nur First Class-Passagiere- die Welt wäre besser. Meine Theorie. Reisende Menschen wären ausgeglichener, weil der Streßfaktor Platznot im Flieger wegfallen würde und man als Kunde ernst genommen und gut behandelt wird. Das Essen in der ersten Klasse verdient die Bezeichnung tatsächlich, natürlich braucht man über den Wolken nicht wirklich Kaviar, bekommt ihn aber trotzdem. Und wann hat Ihnen zuletzt ein Mann angeboten, Ihr Bett zu machen? Oder überhaupt jemand? Bei mir war es meine Großmutter, als ich ein Kind war. Man darf jetzt nur nicht zu schüchtern sein und in erdnahe “Das-mache-ich-als-Hausfrau-selbst”-Verhaltensmuster fallen. Der Steward macht das gerne und vor allem schneller. Man muss nämlich die Spezialdecke mittels Sicherheitsgurt am Bett festschnallen, sodass man auch im Schlaf ohne Verwicklungen angeschnallt bleiben kann. Beeindruckend. Man muss sich sehr zusammenreissen, denn die Verlockung, sich gleich hinzulegen, ist groß. Aber wir sind schließlich zum Arbeiten hier. Nach einem feinen Nachmittagsmahl (der Flug startet mittags in Frankfurt, damit man am nächsten Morgen Ortszeit in Hongkong seinen Geschäften nachgehen kann) überlege ich, wen ich auf meinen Besuchersitz einladen könnte. Leider sehen die anderen Fluggäste nicht so als als warteten sie auf eine exklusive Einladung von mir. Jeder möchte hier ungestört sein und bleiben. Ich habe ein kleines Abteil mit echter Orchideendekoration, Flachbildschirm, Qualitätskopfhörer (nicht die Billigdinger, mit denen sonst die Fluggäste gequält werden). Und viel Platz, das Kostbarste beim Fliegen. Als kleine Geschenke gibt es ein hübsches Täschchen mit dem üblichen globalen Kosmetik-Schnickschnack und einen dunkelgrünen Pyjama des Hongkonger Luxuskaufhauses “Shanghai Tang” im chinesischen Stil. Später werden den alle Passagiere anhaben und es sieht ulkig aus, denn die XXL-Version passt hier wirklich niemandem. Aber der Pyjama ist gemütlich. Und es gibt Pantoffel dazu. Wenn es irgendwo eine Weltwirtschaftskrise geben sollte: Hier nicht. Unermüdlich tragen die Stewardessen und Stewards Champagner durch die Gegend und die First Class-Abteilung ist ausgebucht. Ausgebucht! Wenn Sie auf ein Upgrade von Business auf First hoffen: Buchen Sie niemals einen Hongkong-Frankfurt-Flug (oder umgekehrt) am Freitag, Samstag oder Sonntag, da sind die Sitze alle belegt.
Der Flug, der im richtigen Leben rund 6000 Euro kostet, vergeht wie im Fluge und als wir in Hongkong landen, bin ich fast ein wenig enttäuscht. Ich wäre gern noch weitergeflogen in meinem grünen Pyjama. Wenig später darf ich das tatsächlich, zumindest ein bisschen. Wir besuchen das Headquarter von Cathay Pacific, wo es Flugsimulatoren für die Pilotenausbildung gibt. Spontan beschließe ich, mein Talent zu testen. Außen sieht der Simulator wie ein schlichter Container aus, drinnen wird die Welt zum täuschend echten Cockpit. Die Simulation ist atemberaubend echt, ich fliege über eine virtuelle Welt mit entsetzlich kurzer Landebahn. Der Ausbilder links neben mir ist Horror offenbar gewöhnt, er behält die Nerven und zieht den Flieger kurz vor meiner virtuellen Bruchlandung elegant wieder hoch. Danke! Ist aber auch wirklich kurz, so eine Landebahn. Im richtigen Leben hätte es jetzt Dutzende Tote und eine Menge Ärger gegeben. Beim zweiten Mal klappt es besser, meine Boeing holpert aber trotzdem noch über die Piste. Es ist kein Verlust für die Welt, dass ich keine Pilotin geworden bin. Und wo war noch gleich mal die Taste für den Autopiloten??
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